chanvre-info http://www.chanvre-info.ch/info/de/Reitschule-geht-gegen-Dealer-vor.html

Reitschule geht gegen Dealer vor

Der Bund 13 11 2004

Stadt Bern: Reitschul-Engagierte haben genug vom Drogenhandel auf dem Vorplatz: Gestern Abend, 20 Uhr, ist ein «Ultimatum» abgelaufen, nun wollen Aktivisten Dealer vertreiben - «wenn irgend möglich gewaltfrei, um jedwelche Eskalaktion zu vermeiden», wie dazu in einer Medienmitteilung betont wird. Gewalt und Konfrontationen hätten zugenommen, «das Deal-Problem auf dem Vorplatz hat sich massiv verschärft», heisst es darin - nicht ohne Vorwürfe an die Polizei. «Der Polizei gelingt es trotz intensivierten Aktivitäten nicht, wirklich etwas auszurichten», mittlerweile fast tägliche Razzien seien «leider nicht nachhaltig erfolgreich», und das Auftauchen Uniformierter verbreite «regelmässig Stress». Massiv zugenommen hätten die Probleme mit Drogenhandel im Übrigen «seit den Hanfladenschliessungen in der Stadt», so das mit «ReitschülerInnen» gezeichnete Communiqué. «Gekifft wird sowieso, nur gedealt wird woanders - anstatt in den Läden halt vor der Reitschule.»

Hanf-Deal zurück auf der Gasse

Die Vorwürfe bezüglich Polizeiinterventionen wollte die Stadtpolizei Bern gestern nicht kommentieren - zur Frage der Verlagerung des Cannabis-Deals zurück auf die Gasse waren dagegen Auskünfte zu erhalten. Cannabis werde auf der Strasse gehandelt, auf Vorplatz und Münsterplattform etwa, jedoch sei dies «schon immer so» gewesen, so Sprecherin Franziska Frey. Zwar sei eine «gewisse Zunahme» des Strassenhandels seit den Schliessungen von Hanfläden festzustellen, nicht aber ein deutlicher und schon gar kein dramatischer Anstieg. Wie im Übrigen die Polizei auch «keine Hinweise» auf eine Vermischung von Cannabis- und Kokainhandel in der Stadt Bern habe, sagte Frey. Zumindest Letzteres sehen Drogenfachleute jedoch teils dezidiert anders. So beklagte Jakob Huber, Leiter der Berner Drogenfachstelle Contact Netz, letzthin eine beunruhigende Vermischung der Hanf- und Kokainszenen - was beispielhaft aufzeige, wie «Repression eine Lage auch verschlimmern kann», so Huber (vgl. «Bund» vom 15. 10.). Hinweise, dass sich seit der Hanfladen-Unterdrückung der Handel so genannt leichter mit dem Deal harter Drogen vermische, konkret auf dem Reitschul-Vorplatz, hat auch die Stadtberner Drogenpolitik-Koordinatorin Regula Müller, wie sie gestern auf Anfrage erklärte. «Doch ich sehe noch nicht ganz klar», wie alarmierend diese Tendenz in Bern derzeit wirklich sei - springender Punkt sei ja, ob Hanf-Kunden von Händlern «gezielt auf Kokain angesprochen» würden. Erst dies wäre dann «wirklich schlimm» - und es sei durchaus möglich, dass es dazu komme, zumal «Thun das Problem schon hat», wie Müller berichtet. Im Übrigen schildert Müller die Situation in Bern als «relativ normal». Die Konsumentenszene sei stabil, die Dealerszene habe sogar leicht abgenommen, sagt sie. (rg)

Artikel modifiziert Sonnabend 13. November 2004 18:56, Erscheinungsdatum Sonnabend 13. November 2004 16:46
Hanf Info > Informationen über den Hanf > Politische Informationen Schweiz
chanvre-info http://www.chanvre-info.ch/info/de/Reitschule-geht-gegen-Dealer-vor.html